
akte
2025
site-specific installation
found object arrangement
artists
julie mia, r. aeol
"Die jeweils Lebenden erblicken sich im Mittag der Geschichte. Sie sind gehalten, der Vergangenheit ein Mahl zu rüsten. Der Historiker ist der Herold, welcher die Abgeschiedenen zu Tische lädt."
(Walter Benjamin, Das Passagen-Werk)
en
A round table, draped in a heavy, woven cloth; two plastic champagne glasses placed on what looks like a refrigerator shelf; and two dish sponges served on paper plates. No chairs are to be seen. The composition, tinged with surrealism, is set in a small, sparse room. Paint stains on the carpet bear witness to long hours of labor. Despite the large window, the space feels dim and uneasy. Outside, by contrast, the new buildings appear bright and orderly.
The installation, Akte, was realized at Zollamt Studios, opposite Offenbach’s Leather Museum. Years after the German federal customs administration vacated the building, artists claimed it for temporary use. Now, the modernist structure is slated for demolition.
To create the work, the artists enacted a kind of parting ritual. They gathered found objects — materials and utensils, functional yet laden with memory, seemingly carrying the spirit of the place. In a final act, these items assembled into a barren, lifeless supper, as if held at the end of time.
de
Ein runder Tisch, eine Tischdecke aus schwerem, gewirktem Stoff, zwei Sektgläser aus Plastik, arrangiert auf einer Art Kühlschrankrost, und zwei Topfschwämme auf Papptellern serviert. Keine Stühle sind zu sehen. Diese surrealistisch anmutende Komposition findet sich in einem kleinen, kargen Raum. Die Farbspuren auf dem Teppichboden zeugen davon, dass hier über lange Zeit gearbeitet wurde. Trotz des großen Fensters wirkt der Raum schummrig, fast beklemmend. Von der unwirtlichen Atmosphäre im Inneren hebt sich draußen ein helles und gepflegtes Neubaugebiet ab.
Die Installation mit dem Titel Akte wurde in den Zollamt Studios gegenüber dem Ledermuseum in Offenbach am Main realisiert. Nach Jahren des Leerstandes wurden die Räume eines ehemaligen Beschaffungsamts der Bundeszollverwaltung wiederum für Jahre als Kunstateliers genutzt. Der modernistische Bau soll nun jedoch abgerissen werden.
Für die Installation vollzogen die Künstler eine Art Abschiedsritual. Sie sammelten objets trouvés – Materialien und Utensilien, nützlich und doch oft von sentimentalem Wert. Der Geist des Ortes scheint sich in ihnen eingelagert zu haben. In einem letzten Akt kommen diese Gegenstände zusammen und veranstalten ein menschenleeres, bescheidenes, irgendwie endzeitliches Mahl.
zollamt studios
frankfurter straße 91
63067 offenbach am main
exhibition
09/2025